Der Lebenszyklus der Schmetterlinge

Der Lebenszyklus eines Schmetterlings besteht aus der Abfolge von vier, Grund verschiedener, Entwicklungsstadien, die teilweise besonders bizarr und fremdartig erscheinen. Eine solche Entwicklung bezeichnet man auch als „vollständige Metamorphose“ und in der Tat lässt beim Anblick einer Raupe nichts darauf schließen, dass einmal ein prächtiger Schmetterling daraus hervorgeht. Dieser Artikel soll etwas Licht in den zumeist verborgenen Lebenszyklus der Schmetterlinge bringen.



1. Stadium: Das Ei

Der Einfachheit wegen beginnen wir mit dem Ei. Die winzigen Eier werden von den Weibchen in der Regel direkt auf der jeweiligen Futterpflanze der Raupe, oder in deren Nähe abgelegt, mit einem klebrigen Sekret befestigt. Jedoch gibt es auch Ausnahmefälle, in denen die Eier einfach im Flug fallen gelassen werden.
Wenn man denkt alle Schmetterlingseier sehen wie winzige Ausgaben der allseits bekannten Hühnereier aus, so irrt man. Tatsächlich sind ihre Form, Größe und Beschaffenheit so verschieden wie die Schmetterlinge die daraus hervor gehen. Es gibt längliche und kugelförmige, glatte und gerippte, große und kleine Eier, die wiederum einzeln, in Schnüren, in Türmchen oder in Massengelegen abgelegt werden. Einzig die Farbe der Eier ist relativ konstant und bewegt sich zwischen gelb und grün.
In diesem sehr geborgenen und verborgenen Stadium ernährt sich der Embryo von einem Dottervorrat und atmet durch eine winzige Vertiefung auf der Oberseite des Eis, dem „Mikropyle.“

Segelfalter (Iphiclides podalirius)
Segelfalter (Iphiclides podalirius)
Osterluzeifalter (Zerynthia polyxena)
Aurorafalter (Anthocharis cardamines)



2. Stadium: Die Raupe

Das 2. Stadium beginnt mit dem Schlüpfen kleiner Raupen aus den Eiern. Ihrer Bestimmung folgend fressen sich die Raupen einfach durch die Schale. Die Eierschalen sind nahrhaft und bilden die erste Mahlzeit der jungen Raupen, danach machen sie sich über die Futterpflanze her. Raupen haben nur einen einzigen Lebenszweck: Fressen! Diese geborenen Fressmaschinen verputzen große Mengen an Futter und wachsen dabei so schnell, dass man ihnen beinahe zusehen kann. Im Falle des Tagpfauenauges wachsen die anfänglich 2-3 mm großen Raupen in wenigen Wochen zu einer Größe von 4-5 cm heran, wobei ihr Appetit von Tag zu Tag steigt. Siehe: Die Aufzucht von Raupen
Um diese immense Vervielfältigung ihres Geburtsgewichtes zu bewerkstelligen fahren Raupen einige male buchstäblich aus ihrer Haut, weil diese nicht unbegrenzt dehnbar ist. Oft wird dabei auch gleich das Farbmuster der Haut geändert.
Raupen haben kein festes Skelett, weder außen noch innen und können ihre Form daher nur durch den Druck der Körperflüssigkeiten aufrechterhalten.
Dem eigentlichen Aussehen der Raupen sind beinahe keine Grenzen gesetzt. Es gibt stachelige, haarige und glatte Raupen in allen nur erdenklichen Farbvarianten. Darüber hinaus können sie Warzen und allerlei andere, seltsame Auswüchse haben.
In diesem Stadium ernähren sich das Tier von einer oder mehreren verschiedenen Futterpflanzen. Räuberische Raupen, die sich von Ameiseneiern ernähren bilden die Ausnahme.
Bei Massenauftreten kann dieses Stadium sehr auffällig sein, da ganze Bäume kahl gefressen werden können.
Für die Dauer des Raupenstadiums kann man im Schnitt 3 - 4 Wochen rechnen. Die Rekordhalter verpuppen sich jedoch bereits nach 2 - 3 Tagen bzw. erst nach 13 Jahren.

Alpenapollo (Parnassius phoebus)
Distelfalter (Vanessa cardui)
Osterluzeifalter (Zerynthia polyxena)
Schwalbenschwanz (Papilio machaon)
Kleiner Fuchs (Aglais urticae)
Tagpfauenauge (Inachis io)

3. Stadium: Die Puppe

Dieses wiederum sehr verborgene Stadium beginnt mit der so genannten Verpuppung. Die ausgewachsene Raupe sucht sich dafür einen geeigneten Platz um sich in ruhe zu verpuppen. Im Wesentlichen platzt hierbei, ähnlich wie bei den Häutungen, die Raupenhaut auf, nur das darunter die Puppe zum Vorschein kommt. Das genaue Wie und Wo ist wiederum sehr unterschiedlich. Viele Raupen hängen kopfüber von einem Zweig, einem Blatt, einem Felsvorsprung (Stürzpuppen). Andere Raupen spinnen sich einen Gürtel, der sie in senkrechter bzw. leicht schräger Position hält, wobei der Kopf oben ist (Gürtelpuppe). Wieder andere Raupen spinnen sich einen Kokon im Blattwerk oder in der Erde.
Allen gemeinsam ist, dass diese Phase der Ruhe dem kompletten Umbau des Körperbaus dient. Die Organe der Raupe werden zersetzt, neue Organe gebildet und auch das äußere Aussehen ändert sich gravierend.
Die Puppen sind starr, können meist nur wenige Hinterleibssegmente bewegen. Um dennoch Räubern zu entgehen sind sie meist durch ihre Färbung gut getarnt.
In diesem Stadium ernährt sich das Tier von den Reserven, die es als Raupe angelegt hat. Die Dauer des Puppenstadiums beträgt in der Regel ca. 1 Woche, aber auch hier gibt es extreme Ausnahmen, die bis zu 7 Jahre für ihre Metamorphose benötigen.

Admiral (Vanessa atalanta)
Tagpfauenauge (Inachis io)
Distelfalter (Vanessa cardui)
Schwalbenschwanz (Papilio machaon) Gürtelpuppe
Osterluzeifalter (Zerynthia polyxena) Gürtelpuppe
Kaisermantel (Argynnis paphia)



4. Stadium: Der Schmetterling (Imago)

Dieses Stadium beginnt mit dem Schlüpfen des Schmetterlings, gleichsam wird das Tier nun ein zweites Mal geboren. Die starre Puppe bricht auf und das fertige Insekt zwängt sich heraus, wobei die Flügel noch nicht entfaltet sind. Oft verweilt der Schmetterling an der Puppe hängend und beginnt sogleich mit dem Entfalten der zarten Flügel, indem er Blut in die Adern pumpt. Wenn die Flügel vollständig entfaltet sind wird das Blut in den Körper zurückgezogen und das resultierende System hohler Adern gibt dem Flügel die benötigte Stabilität. Nach einer Weile sind die entfalteten Flügel vollständig getrocknet und ausgehärtet.

Hier kann man einem Schwalbenschwanz dabei beobachten.

Ein neuer Lebensabschnitt kann beginnen und der Schmetterling erobert die Lüfte.
In diesem Stadium kann der Schmetterling nur noch flüssige Nahrung aufnehmen wie z.B. den Nektar von Blumen oder süße Säfte von Fallobst. Darüber hinaus benötigen Schmetterlinge auch Mineralstoffe, sodass sie gerne an Kadavern, Exkrementen, Schweiß oder mineralhaltigen Pfützen saugen. Auch hier gibt es Ausnahmen, die gar keine Nahrung mehr zu sich nehmen und von den Reserven aus der Raupenzeit zehren.
Damit grenzt sich der Schmetterling mit seinem Nahrungsbedarf ganz deutlich von dem der Raupe ab und es kommt zu keiner Konkurrenz.
Dieses Stadium dient einzig der Fortpflanzung und bietet durch die Flugfähigkeit des Schmetterlings die Chance einer schnelleren Verbreitung der Art. Die Lebensspanne die einem Schmetterling zur Verfügung steht reicht je nach Art von einem Tag über einige Wochen bis hin zu 11 Monaten (Zitronenfalter).

Kleiner Fuchs (Aglais urticae)
Tagpfauenauge (Inachis io)
Mauerfuchs (Lasiommata megera)
Schwalbenschwanz (Papilio machaon)
Admiral (Vanessa atalanta)
Distelfalter (Vanessa cardui)



Afrikanischer Schwalbenschwanz (Papilio dardanus)
Goldene Acht (Colias hyale)
Gelbringfalter (Lopinga achine)

Hier ist die Paarung einiger Arten zu sehen zu sehen.


Osterluzeifalter (Zerynthia polyxena)
Osterluzeifalter (Zerynthia polyxena)

Hier ist die Eiablage beim Osterluzeifalter zu beobachten.


So, nun sind wir am Schluss und gleichsam wieder am Anfang angekommen, der Kreis schließt sich. Das Rad des Lebens dreht sich weiter und eine neue Generation tritt an den Start.


 

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